Oscar

24.02.1997 - 04.12.2003

Oscar ist mein ehemaliger Pflegehund.
1 Jahr und 2 Monate bin ich jeden Tag mit ihm spazieren gegangen.


Worte an einen lieben Freund:

Mein lieber kleiner Junge,
jetzt bist Du schon so lange im Regenbogenland und hast keine Schmerzen mehr.

Es ging Dir schon in Deinen letzten Lebenswochen nicht so gut. Erst hast Du Dir die Hinterpfote so schlimm verletzt (das war meine Schuld, ich habe nicht auf Dich aufgepasst, als Du diese blöden 2 Stufen bei Dir vor dem Haus runtergefallen bist). Du warst ein Kämpfer. Hast Dir nicht anmerken lassen, wie sehr Dir Deine Pfote weh tat. Hast nicht gehumpelt, warst aber schmerzempfindlich. Mir hat es jeden Tag das Herz gebrochen, als ich Dir nach unserem Spaziergang die Pfoten saubermachen musste und Dir dabei jedes Mal weh getan habe. Du hast jedes Mal gejault und bist vor Schmerzen aufgesprungen, um Deinen Kopf auf meine Schulter zu legen. Das hast Du so oft gemacht. In diesen Momenten war ich einfach nur glücklich. Du schienst mir immer ganz leise, kaum hörbar ein "Ich liebe Dich" ins Ohr zu flüstern. Vielleicht habe ich mir das ja auch nur eingebildet, doch ich weiß, dass Du mich auch geliebt hast - und dass Du im Regenbogenland auf mich wartest.

Ein paar Tage vor Deinem Tod hast Du nochmal ein bißchen gekränkelt. Wir konnten nicht spazieren gehen, Du hast nur auf der Couch gelegen und hast Dich von mir beschmusen lassen. Du warst so dankbar, obwohl Du nie ein Wort gesagt hast. Deine schönen Augen haben mir genug gesagt, mein kleiner Prinz.

Anfang Dezember war Jule dann plötzlich weg. Ich weiß noch, wie wir eines Tages von einem Spaziergang heimkamen und Du nicht an Deinen prallgefüllten Futternapf wolltest. Ich habe geweint und Dich angefleht, dass Du frisst, weil ich Dich nicht verlieren wollte. Ob das eine böse Vorahnung war? Du hast dann ein paar Happen gefressen, wohl mir zuliebe. Du wusstest wohl schon, dass es mit Dir zu Ende geht. Nur ich Idiot habe nichts bemerkt, ich habe den traurigen Schimmer in Deinen Augen nicht gesehen...

Am 4. Dezember sind wir dann das letzte Mal spazieren gewesen. Wir sind nur eine kleine Runde gegangen, weil Du nicht mehr konntest. Wir sind bei mir zu Hause lang gegangen, Du warst ohne Leine. Darüber hat sich meine Mama hinterher furchtbar aufgeregt, doch ich war grenzenlos stolz, dass Du so toll hinter mir her laufen kannst... Ich hatte meiner Mama erzählt, wenn Du wieder ganz gesund bist, gehen wir mal zusammen joggen... ich wollte Dich überall mit hinnehmen, Dich nie wieder alleine lassen. Ich war so stolz auf Dich, Du warst ein toller Hund.

Am nächsten Nachmittag habe ich mich wieder ganz warm angezogen, ein paar Leckerchen in die Jackentasche gesteckt und wollte zu Dir. Ich bin auf dem Weg zu Dir nach Hause sogar ein paar Schritte gerannt, weil ich es kaum erwarten konnte, in Deine tiefbraunen Berneraugen zu schauen. An der Haustür hing dann ein Zettel: "Bitte geh´ zur Nachbarin." Was sollte das bedeuten? Plötzlich hörte ich, wie hinter mir eine vertraute Stimme meinen Namen rief, es war die Nachbarin. Sie sagte nur: "Es ist etwas ganz Schlimmes passiert." Ich guckte nur ungläubig, was sollte denn passiert sein? "Oscar ist tot." NEIN! Ich habe immer wieder "NEIN!" gebrüllt, ich war verzweifelt, habe die bittersten Tränen meines Lebens geweint, mich auf die Stufen vor Deinem Zuhause gesetzt und nur noch geheult. Ich wollte es nicht glauben. Ich dachte, dass sei nur ein schlechter Scherz... Dann kam Deine Besitzerin raus und nahm mich in den Arm. Ich habe nur noch geheult, als sie mir erklärte, dass Du einen schlimmen Milztumor hattest und eingeschläfert werden musstest...

Mein kleiner Junge, wäre dieser sch... Krebs nicht gewesen, dann könnten wir heute noch zusammen über die Felder streifen... Es tut unendlich weh, dass ich nie wieder Dein fröhliches Bellen hören soll und nie wieder über Dein weiches Bernerfell streicheln darf... Doch ich werde Dich nie vergessen, mein süßer Knuddel. Im Regenbogenland sehen wir uns irgendwann wieder.

In größter Liebe und Dankbarkeit,
Annabel


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