
Es war einmal eine scheue Bauernkatze, als wir uns kennenlernten war sie dünn und struppig. Auch war ihr anzusehen, dass sie Babys hatte. Mein Herz tat gleich einen Sprung und ich habe begonnen diese Mietze zu füttern und es ging ganz schnell. Wir wurden Freunde und „Mama Mietzi“ kam schon gelaufen, wenn ich sie rief. Eine Zeitlang verabreichte ich die Pille, aber auf Dauer funktionierte die Sache nicht. Ich versuchte nun dem Bauern einzureden, dass sterilisieren besser wäre als immer wieder junge Katzen. Aber leider ohne Erfolg. Mama Mietzi bekam 2 x im Jahr Kinder und wenn sie gleich gefunden wurden, überlebten nur zwei. Aber Mama Mietzi war schlau und versteckte ihre Kinder bis sie etwas größer waren. Und das rechne ich dem Bauern hoch an, dann wurde den Kleinen kein Leid mehr zugefügt. Ich habe dann die Katzenkinder gefüttert, mit ihnen gespielt, usw. Es war immer eine Freude wieviel Liebe von diesen kleinen Mietzen gekommen ist und ihre Mama ist dann immer auf Pirsch gegangen. Sie hat gewusst, wenn ich da bin sind ihre Kinder gut aufgehoben. Ich konnte die Putzis immer gut vermitteln. Jeder hat mir immer den Tipp gegeben, ich soll mich einfach nicht darum kümmern, dann wird der Bauer schon einmal einwilligen. Aber das kann man doch nicht – Mamis Putzis im Stich lassen!!
Eines Tages wurde ihr Juniwurf sehr spät entdeckt und die Kleinen waren furchtbar scheu und haben gefaucht. Es waren wieder 6 Stück: Eine graue, etwas langhaarige Tinka, Habibi, Jesa, Winnie, der rote Mucki und Goldy. Jeden Tag bin ich zu den Kindern gefahren, habe Futter verteilt und mich zurückgezogen und sie einfach nur beobachtet. Mit ihnen leise gesprochen und vorsichtig angefangen zu spielen. Die Mühe hat sich gelohnt, sie wurden immer zutraulicher und wenn ich sie gerufen habe, ist die ganze Bande immer gleich gekommen. Es war ein wunderbares Erlebnis, welch gegenseitige Liebe sich da entwickelt hat. Mama Mietzi sah es wahrscheinlich mit Genugtuung.
Langsam konnten die Katzen vermittelt werden. Goldy fand einen guten Platz bei einer älteren Frau (ich wollte unbedingt dass sie Jesa noch dazunimmt, aber leider wollte sie nur eine Samtpfote). Eines Tages lag Habibi etwas apathisch da und kam nicht zum Fressen. Mein Schreck war riesengroß und ich packte Habibi sofort ins Auto. Meine Tierärztin stellte fest, dass sie hohes Fieber hatte. So ist meine Habibi bei meinen Katzen und mir eingezogen und geblieben. Bachblüten und extra Urlaubstage brachten Harmonie in die Gesellschaft. Jesa wurde auch krank und ich nahm sie auch nach Hause. Aber Jesa attackierte ganz böse ihre Schwester Habibi (komisch ich dachte sie freuen sich, wenn sie sich wiedersehen). Habibi konnte das gar nicht verstehen. Meine anderen beiden waren ganz verwirrt, denn Jesa sah Habibi sehr ähnlich und sie konnten sich nicht erklären, warum die plötzlich so böse ist. Ich habe dann beschlossen sie zu einer guten Pflegestellte zu geben und einen Platz für Jesa zu suchen. Ich wollte Habibi und meinen Katzen diesen Stress nicht zumuten. Eigentlich wollte ich Jesa auch behalten. Aber durch ihr aggressives Verhalten dachte ich, es gibt sicher einen guten Platz für sie. Schließlich kann ich nicht immer alle Mietzen bei mir aufnehmen (55 m2 Wohnung!).
So kam es, dass Winnie und Mucki auch noch keinen Platz hatten. Eine gute Bekannte hatte in Bayern ein kleines Haus am Waldrand mit viel Wiese, keine Straße in der Nähe usw. Sie wollte alle 3 Katzen bei sich aufnehmen, also auch die kleine Jesa. Zuerst sind Mucki und Winnie bei ihr eingezogen und zuletzt Jesa. Komischerweise war sie da gar nicht mehr böse und hat gleich mit ihren Geschwistern gespielt. Die Katzen waren zwar viel alleine, hatten aber genug zu fressen und ein Paradies. Sie konnten im ganzen Haus herum und rausgehen wann sie wollten. Wisst Ihr, komisch war einfach, als ich die Katzen dort besuchte, hatte ich einfach ein ganz ungutes Gefühl in der Magengegend. Habe mich selber geschimpft – auch woanders geht’s den Katzen gut, nicht nur bei mir (= Glucken-verhalten). Speziell bei Jesa war ich sehr unruhig und habe lange überlegt sie doch wieder zu nehmen. Aber so fühlten sich die Katzen wohl und hatten ein Paradies. Aber mein blödes Gefühl blieb einfach. Als ich immer nach den Katzen fragte (wir trafen uns immer im Stall, sie hatte auch Pferde) war alles in Ordnung. Nur eines Tages wich sie mir etwas aus und wirkte traurig. Und dann erzählte sie mir, dass die kleine Jesa nicht mehr lebt. Irgendein böser Mensch hatte sie an die Gartentüre gepfählt (!!!)(bekomme ein Würgen in der Kehle) um der Besitzerin einen großen Schmerz zu bereiten. Richtig herausgekommen ist eigentlich nie etwas, warum und wieso. Sie wurde vorher umgebracht und dann an die Gartentür genagelt. Ich war wie von Sinnen und habe beim Heimfahren geheult, zu Hause geheult und heute noch, wenn ich ihr Foto anschaue muss ich schrecklich heulen. Ich hätte sie wieder zu mir nehmen sollen, dann würde sie heute noch leben. Leider weiß man vorher das nicht. Ein Monat später wurde die kleine Winnie auch tot aufgefunden im Garten. Der Tierarzt konnte keine Verletzung feststellen – wahrscheinlich wurde sie vergiftet.
Ihr könnt Euch vorstellen wie es mir erging. Ich habe diese Kinder mit so viel Gefühl aufgepäppelt und dann mussten sie so bald sterben. Einer ihrer 3 weißen Schäferhunde verschwand auch eines Tages. Eigentlich ist niemandem so richtig klar, wer und was da passiert ist. Der kleine Mucki lebt heute noch und in der Zwischenzeit hat sie 5 kleine Katzen vom Tierheim und ich glaube alle leben noch. Ich bin jetzt in einem anderen Stall und habe keinen Kontakt mehr.
Ein gutes Ende hat die Geschichte. Ich durfte Mama Mietzi sterilisieren und ich hoffe es geht ihr gut. Sie hat mich dann nicht mehr so oft im Stall besucht. Ein Zeichen, dass sie ihr Leben auch ohne mich gut meistert. Als ich von diesem Stall gegangen bin, habe ich mich von den ganzen Katzen schweren Herzens verabschiedet. Die Stallkatzen sind ja alle gut versorgt. Aber ich habe sie doch alle zusätzlich gefüttert und wir waren alle gute Freunde. Seelchens Mama lebt auch dort. Die etwas scheue Katze kam immer von weit gelaufen um mich zu begrüßen. Seufz.
Dort war meine Aufgabe beendet und jetzt beginnt wieder eine neue Aufgabe für mich. Ich muss wahrscheinlich immer dort hin wo Katzen Hilfe brauchen.
Das war nun eine lange Geschichte. Jetzt versteht Ihr auch sicher, warum mir Jesa so ganz besonders schwer am Herzen liegt. Ich werde sie niemals vergessen! Aber auch alle anderen werde ich weiter in meinem Herzen tragen!
Eure Christl