Für Samira
und Lance

Samira
Vom Abschiednehmen und von einem neuen, vorsichtigen Anfang

Wenn ein Jahr zuende geht, schreibe ich am Sylvesterabend immer drei Wünsche auf einen Zettel, um Ihn dann zu verbrennen. Vielleicht ist es Aberglaube, aber diese Nacht ist etwas Besonderes für mich. Im Grund macht sie mich eher ein wenig traurig, weil man ja etwas Vertrautes zurücklassen muss - wenn auch etwas Neues, Unbekanntes anfängt.

Am 31. 12. hatte ich mir u.a. gewünscht, dass mein Kater Lance noch ganz lange bei mir bleiben möge - genau wie für meine Familie und Freunde. Ich war kurz in das Nebenzimmer gegangen (wir waren gerade auf Fuerteventura und Lance war bei meinen Eltern untergebracht) um eine Schale zu holen. Als ich den Zettel anschließend zusammenfalten wollte sah ich, dass an der Stelle, wo Lance Name stand, eine Art Tropfen auf dem Papier war. Seltsam - der Tisch war ganz trocken und sauber. Nun gut - gewundert... und den Zettel dann verbrannt.

Im Laufe der nächsten Tage fiel mir ein, dass ich so etwas ähnliches schon einmal erlebt habe. Irgendwann ein oder zwei Jahre vorher fiel Nachts ein Tropfen auf mein Gesicht und ich weiss bis heute nicht, woher er kam. Für mich fing damals kurz nach dieser Nacht privat eine sehr schwere Zeit an. Aber all das habe ich in den nachfolgenden Wochen eigentlich schon wieder (fast) vergessen. Am Neujahrsmorgen hatte ich zwar noch ein seltsames Gefühl - wischte es aber mit dem Gedanken... "so ein Quatsch, das war doch nur ein Tropfen..." weg.

Im Mai, am Pfingstsonntag wurde mein Kater Lance krank. Er hatte keinen Hunger, wollte nur schlafen und sich nur noch verstecken. Das hatte er schon öfters - aber meistens nur einen Tag, denn er hatte leicht erhöhte Blutzuckerwerte und Gallensteine. Als er am nächsten Tag noch immer nichts fressen mochte, fuhren wir zu einer Tierärztin. Sie gab ihm Antibiotikum wegen des Fiebers und wir mussten am nächsten Tage zum Blutabnehmen und Röntgen wiederkommen - an seinem 14. Geburtstag.

Da mein Kater zu dieser Zeit schon recht dünn war und die Krankheit an ihm nagte, hatte er nicht viel zuzusetzen und nahm jeden Tag ein wenig ab. Seine Blutwerte waren übrigens gar nicht so schlecht - nur die vielen Gallensteine waren gut erkennbar.
Lance, ich weiss nicht, wie sehr sie Dich gequält haben - diese Steine, aber irgend etwas in Dir wollte nicht mehr - weder Astronautennahrung noch sonstige Leckereien. Jeden Tag, wurdest Du leichter, teilnahmsloser, trauriger. Es wurden 10 verzweifelte Tage daraus. Dann habe ich mich unter vielen Tränen dazu entschlossen, Dich einschläfern zu lassen. Kurz bevor ich es tat, hat mich mein Kummer sehr gequält..... aber im Grunde ging es nur um Dich. Das war eigentlich schon immer so.... weil ich Dich so lieb hatte.

Kurz bevor die Tierärztin kam, standen wir noch am Fenster und sahen in den Abend hinaus - ich glaube, Du hast es nur noch am Rande wahrgenommen.
Dann musste ich Dich loslassen.

Es war so schlimm, Dich zu beerdigen, herzugeben und zu wissen, Dich auf der Erde nicht mehr sehen und fühlen zu können.

Dann folgten viele Wochen von Leere, Tränen und Angst. Es hat mir so viel Angst gemacht, dass dieses vertraute Wesen nicht mehr bei mir war. Wir waren eine Einheit, ein Team und ein Blick in Deine Augen am Morgen genügte um zu wissen, wie es Dir geht.
Durch Deine vielen Krankheiten (Harngries, Leberentzündungen) sind wir zusammengewachsen und wussten, dass der andere trotzdem immer "da" ist, auch wenn wir getrennt waren. Das war eine der schönsten Erfahrungen, die ich trotz Kummer machen durfte - für jemanden da zu sein, was immer auch passiert.

Zwei Monate nach diesem "Abschied" erfuhr ich von Samira.
Im Internet eine kleine Anzeige und ein paar Bilder..... sie ist ganz schwarz mit einem weissen Bauch. Rein äusserlich sogar fast völlig gegensätzlich zu Lance..... er war rot oder eher "eichhornfarben". Ich wollte Euch nicht vergleichen, denn das hat niemand verdient. Die einzige Gemeinsamkeit sind Eure kugeligen Halbperser-Augen und dieses zufrieden ausschauende Mäulchen..

Samira


Zuerst war ich mir gar nicht sicher, ob ich eine andere Katze bei mir haben wollte.

Weißt Du, was mich an Dir beeindruckt hat Samira? Du bist so lebendig - es tut so gut, dass Du voll Leben bist und gesund. Es Ist schön, Dich anzuschauen und über Dich lachen zu können, wenn Du Fische in meinem Mini-Aquarium beobachtest. Als wir gestern eine lange Autofahrt hatten, hast Du ganz laut miaut - richtig vorwurfsvoll. Nachdem ich Dir erklärt habe, dass Du auf meinem Schoss liegen darfst, wenn Du brav bist, hast Du Dich schnurrend an mich gekuschelt und vier Stunden geschlafen, unglaublich.

Ich hoffe, dass wir auch weiterhin zusammenwachsen. Weißt Du was ich glaube??
Lance schaut uns jeden Tag zu und passt auf uns auf. Auf Dich ganz besonders.. ich weiss nicht warum.
Danke Lance.. Du wirst immer bei mir sein - und eines Tages sehen wir uns wieder - an der Regenbogenbrücke!

© Claudia Kelkenberg


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