
Drago, ich habe gleich gespürt, ich konnte nicht mehr wirklich etwas für Dich tun. Du hast die Hände nicht ergriffen, die wir Dir reichten. Aber ich verstehe Dich. Du warst so ruhig seit Mozart nicht mehr da war und ich hab schnell gespürt, daß Du nicht mehr lange bleiben wirst. Einer der geht nimmt oft einen mit... Ich verstehe Dich, doch verstehe auch mich, daß ich darüber nicht froh sein kann.
Du hast alle die Dich liebten noch einmal sehen können und bist in den Armen eines Dir liebsten Menschen schmusend und schnurrend eingeschlafen.
Nicht, daß es mich versöhnen würde, aber Du hast uns deutlich gezeigt, daß Du es so wolltest. Also mußten wir Dir helfen.
Weißt du noch? Als Mozart ging, hast Du elf Tage lang bei mir gewacht, mich getröstet, hast dann seinen Platz eingenommen.
Deinen Platz nimmt niemand ein, es mag mich hier niemand trösten, alle gehen mir aus dem Weg. Ich liege alleine hier und niemand schnurrt und hält meine Hand. Vielleicht braucht man dazu eine gewisse Reife, die nur ihr Zwei bisher hattet.
Ich bin mir sicher, daß Mozart am Tor der Regenbogenbrücke auf Dich wartet.
Und Du wirst ihm alles Neue von uns erzählen, und daß ich immer noch furchtbar um ihn trauer.
Jetzt habt Ihr Euch wieder und das sollte mich zumindest beruhigen.
Ich habe Deinen Stern ja bereits am Himmel rufen sehen. Auch heute morgen wieder um 3.30 h stand er hell über unserem Haus. Und obwohl ich schon gestern die Hoffnung losgelassen hatte; Heute morgen wußte ich, daß es Dein letzter Tag sein würde.
Vorletzte Nacht habe ich von Dir geträumt, Du warst wieder gesund. Sicher war das eine Vorahnung auf die Regenbogenbrücke....
Und jetzt im Moment hör' ich Dich sogar zu mir sprechen, oder träume ich es nur?
"Am Ende unseres langen Weges hast Du mich nun gehen lassen.
Die Wahrheit ist, daß mir im Leben nicht mehr zu helfen war.
Danke für Deine Stärke, mir mit der Erlösung der Qualen zu helfen.
Es gibt keinen größeren Liebesbeweis, auch wenn Du das jetzt noch nicht verstehen wirst.
Es wird lange brauchen und die Sonne wird oft aufgehen müssen,
bis Du wieder im Reinen bist und mit Liebe, nicht mit Trauer, an uns denken kannst.
Ich weiß das, weil ich doch Deine Traurigkeit um Mozart gespürt habe.
Heut' wollte ich gehen - 171 Tage nach Mozart, um die gleiche Uhrzeit.
Das Angenehme dieser Welt hab ich genossen, der Jugend Freuden sind wie lang, wie lang verflossen, April, Mai und Juni sind ferne, ich bin nichts mehr, ich lebe nicht mehr gerne.
Nicht traurig sein, es ist gut so. Auch wenn ich mich beim Arzt noch gegen die Narkose gewehrt habe: Ich wollte einfach noch ein bißchen gekrault werden. Jetzt lächel, einmal - nur für mich, und denke daran, daß er kommt, der Tag, an dem wir uns wiederfinden. Und wenn Du die Regenbogenbrücke betrittst, dann wirst Du mich verstehen - spätestens dann! Sei Dir sicher....
Leb wohl und vergiß mich nicht, ich grüße Mozart von Dir.
Dein Drago"
03.01.2002, 12.00 h
War das nur mein Wunsch oder hast Du wirklich zu mir gesprochen?
Noch ist alles so unwirklich. Du wirst nie wieder Nachts zu mir kommen, mich wecken und an meinem Ohrläppchen nuckeln. Und wenn ich morgens herunterkomme und Du nicht wartend daliegst - dann muß ich es bitter verstehen lernen.
Farewell, mein lieber Drago, und schick mir ab und zu einen Gruß auf die kalte Erde!
