
"Ich weiss gar nicht, was ich schreiben soll...es tut einfach noch immer total weh...
Wir hatten unseren Kleinen seit er 8 Wochen alt war. Ich war damals erst 6 Jahre alt, als er zu uns kam. Er war mein kleiner Bruder und immer da. Weil es mir wohl doch zu schwer wird, das alles aufzuschreiben, füge ich einfach mal einen Text ein, den ich vor einiger Zeit geschrieben habe...
"Mein Dicker...
heißt Benni und ist ein Schäferhund. Leider ist er schon 10 1/2 und somit am ältesten von allen Schäferhunden, die meine Eltern bis jetzt hatten. Ich finde, er hat es verdient, dass ich hier auch mal seine Geschichte erzähle...
Wir bekamen ihn mit 8 Wochen, ich war damals 6 Jahre alt und erinnere mich noch genau daran, wie es war, als wir beim Züchter waren: Alle Welpen gingen brav hinter ihrer Mutter in den Zwinger, nur der dickste kleine Rüde saß unberührt vor meinem Vater und machte ihm die Schnürsenkel auf... so war es um uns geschehen, der musste es sein.
Als Benni nach Hause kam war er in eine warme Decke gewickelt und ganz erschöpft von allem. Da merkten wir noch nicht, was für ein frecher Kerl er sein würde... denn die meiste Zeit verbrachte er damit unsere Schuhe zu klauen und zu zerfetzen, alles vollzupinkeln oder in die nasse Dusche zu steigen und durch die ganze Wohnung zu schlendern...
Von da an hatte er seinen ersten Spitznamen weg und wird noch heute von mir mit "Pinkelchen" gerufen. Als Pinkelchen etwa 10 Wochen alt war wurde er krank und wollte einfach nichts mehr essen, er wurde immer dünner und wir rechneten schon mit dem schlimmsten, als der Tierarzt sagte: "Es bringt ja alles nichts, geben sie ihm vom Tisch". Seine Rettung. Seit dem leidet er trotzdem noch unter Morbus Chron und kann nur spezielles Futter vom Tierarzt fressen... auch wenn er noch so niedlich war wurde die Erziehung, die meine Mutter vornahm, nicht einfach. Benni war und ist ein Alfarüde. Er ließ sich nichts sagen und wurde auch ab und an mal aggressiv gegenüber meiner Mutter. Er wollte einfach nicht begreifen, wer der Chef war. Auch der kurze Versuch auf einen Hundeplatz zu gehen scheiterte, als Benni danach ständig nach jedem Ärmel schnappte. Ich glaube, hätten wir ihn nicht da schon so sehr geliebt, wir wären den Bitten des Züchters nachgegangen und hätten ihm den Hund wiedergegeben. Denn dieser wollte ihn uns abkaufen, da Benni "der schönste Rüde" war, den er je gesehen hatte. Aber unser Böbchen war uns mehr wert als alles Geld der Welt.
Eines Tages entdeckte meine Mutter die Anzeige eines Hundeerziehers in der Zeitung. Und dieser Mann schaffte es tatsächlich, dass Benni bei Fuß ging und einigermaßen zu bändigen war. Dennoch reagierte er aggressiv auf andere Hunde, besonders auf Rüden, so dass nur einsame Spaziergänge möglich waren. Er war ein wirkliches Powerpaket, das nach 2 Stunden Fahrradfahren immer noch nicht müde war. Zu der Zeit entdeckte er auch seine große Liebe, das Stöckchen hin und her schleppen, was ihm zum Verhängnis wurde. Nach und nach wurden seine Zähne immer kleiner und stumpfer, so dass wir vermieden, dass er Stöckchen trug und ihm eine Spielzeugkeule, die sog. "Pompfe" kauften. Seitdem läuft er nur noch mit seiner "Pompfe" (natürlich schon die zig tausendste) rum und lässt keinen anderen Hund an sie ran. Das sollte allerdings nicht seine einzige Macke bleiben: Er will einfach immer nur aus dem Waschbecken trinken und nimmt kein Wasser aus dem Napf an (obwohl mittlerweile ist er zu faul zum Aufstehen geworden und bellt immer ganz hoch, wenn er was zu trinken haben will, das macht er so lang, bis ihm jemand etwas gebracht hat), ausserdem bellt er ständig beim Autofahren und klefft beim Spazierengehen seine Pompfe an. Ja man könnte sagen, dass er wirklich ein Hund ist, der gerne bellt, natürlich nicht wirklich toll, aber naja, so ist er eben.
Nach der Zeit besserte sich sein Problem mit anderen Hunden und so seit etwa 3-4 Jahren gehen meine Mutter und ich jeden Tag 1 1/2 Stunden mit anderen Hunden und deren Besitzern auf unsere Hundewiese. Dort ist er der Rudelführer und passt immer schön auf, dass auch kein fremder Rüde seinen Hündinnen zu nahe kommt. So greift er noch heute ab und an mal ein, auch wenn z.b. ein Rüde aus seinem Rudel vertrimmt wird... trotz seinem "hohen Ruf" ist er ein echter Angsthase und traut sich im Dunkeln nicht mehr heraus. Am wohlsten fühlt er sich in seinem Auto, einem alten Jeap, worin er auch gut und gerne mal ein paar Stunden alleine verbringt. Doch man merkt immer stärker, dass er alt ist. Seit etwa einem Jahr kommt er nicht mehr allein ins Auto rein, so dass wir ihn reinheben müssen. Seine Muskeln an den Hinterläufen haben sich schon stark zurückgebildet, er ist sehr steif nach dem Aufstehen, wenn starker Wind draussen ist fällt er fast um und rennen kann er natürlich nicht mehr... doch es sah vor einem Jahr schonmal schlimmer aus: Wenn er lief schrie er immer öfter auf und nahm auch so immer mehr ab. Damals glaubten wir schon, dass das wohl das Ende war, doch nach und nach erholte er sich wieder, dank der homöopathischen Mittel vom Tierarzt. Es ist wirklich schrecklich, wenn man zusieht, wie er immer weniger Kraft hat, auch wenn es zum Glück noch ganz gut geht für sein Alter. Aber unser Schatz hat so viel Spaß am Leben, dass er einem den Gedanken, dass er nicht mehr lang bei uns sein wird, immer wieder vertreibt. Z.b. wenn er einen anguckt, mit seiner Pompfe schief in der Schnauze, und wartet, dass man ein Stöckchen schießt damit er hinterher wackeln kann, oder wenn er nach dem Fressen angeschmust kommt und ständig seine Schnauze am Bett abputzt (ok, ist ekelig, aber dennoch süß) oder wenn er einfach nur schläft... leider wird einem mit der Zeit immer mehr klar, wie sehr man diesen trotteligen Kerl doch liebt...
Ich wüsste nicht, was ich ohne ihn machen sollte. Aber vor allem wird es meine Mutter sehr treffen, denn für sie ist es ihr 2. Kind... aber ich hoffe einfach, dass wir noch viele Jahre mit ihm verbringen können...
So, ich hoffe, dass ich euch nicht zu sehr gelangweilt habe!"
Zum Glück haben wir ein paar Monate vor seinem Tod eine Schäferhündin dazu bekommen. Assis Besitzer war schwer krank und starb nur 3 Wochen vor Ben an Krebs, genau wie er.... so fällt es leichter, wenn man weiss, dass keiner von beiden da oben jetzt allein ist. Auch wenn wir mal wieder weinen müssen, kommt Assi sofort mit einem Spielzeug an und will uns aufheitern. Jedoch war sie am Anfang auch ganz traurig, obwohl sie sich ja nur kurz kannten. In der Nacht vor seinem Tod lag sie die ganze Zeit neben ihm, obwohl sie das sonst nie machte.
Wir haben ihn im Garten begraben. Am Tag nach seinem Tod ging sie in den Garten, schnupperte an seinem Grab und schlich traurig weg. Es dauerte einige Zeit, bis sie wieder fressen wollte.
Auch so fehlt Ben überall. Er war Rudelführer auf der Hundewiese und sorgte dort für Ordnung. So denken wir immer an ihn, wenn sich gerade mal wieder ein paar Hunde fetzen oder unsere Kleine einen auf'n Deckel kriegt. Vor seinem Tod hätte es das nicht gegeben! Da hätte er einmal souverän sein Spielzeug hingeschmissen, geknurrt und gebellt oder den Hund verrollt und dann wäre Ruhe gewesen.
Ja, dieser Hund hatte einen eisernen Willen. Selbst am Morgen des 28.09.2004 wollte er unbedingt spazieren gehen, obwohl er nichtmal mehr die Treppe herunter kam (es fing 4 Wochen vorher an, dass er nicht mehr laufen konnte, bis dahin war er, für seine 11 1/2 Jahre, topfit!). Wenn er etwas wollte, dann wollte er, egal was war!
Jedoch als der Tierarzt an diesem Dienstag gegen 14 Uhr kam, sah er ihn nur an, als wolle er sagen: "Gut dass du da bist, erlöse mich endlich!". Denn Ben bekam mittlerweile kaum noch Luft, da der Tumor geplatzt war und sich Wasser in seinem Körper ansammelte.
Es wird noch lang dauern, bis ich nicht mehr denke, wenn es regnet oder kalt ist: "Mein armes Böbchen liegt jetzt da draußen in der Kälte" oder ich nicht mehr so oft einen Kloß im Hals kriege, wenn ich Fotos von ihm sehe. Ich komm damit einfach noch nicht klar, wie schon gesagt...
Mein lieber Ben,
Mama und ich vermissen dich sehr. Auch der Papa, das ist klar, aber der zeigt es nicht so.
Dass du gegangen bist ist nun schon länger her, aber dennoch muss ich jetzt wieder fast weinen.
Wir waren im Herbsturlaub am Weißensee. Der Papa hat sich unter deinen Baum gesetzt und die ganze Zeit da gesessen und nichts gesagt. Da waren noch die Löcher von dir, die du gebuddelt hast, als du deine Pompfe angeklefft hast beim Versuch sie zu verscharren. Ja, die Pompfe, die ist mit dir gegangen. Bis zum Schluß wolltest du sie nicht loslassen. Genau wie ich dich nicht gehen lassen wollte, aber du hast es ja selbst gezeigt, dass du, zumindest in dieser Welt, nicht mehr konntest. Du wolltest ganz doll, das weiss ich, aber du konntest nicht mehr. Das hat selbst die kleine Assi verstanden und die ganze letzte Nacht neben dir gelegen, obwohl sie doch eigentlich Angst vor dir hatte.
Sie sitzt oft noch heute neben deinem Grab. Manchmal sieht sie einen Schmetterling und springt auf, aber dann setzt sie sich sofort wieder neben dich und hält Wache.
Mama hat Stiefmütterchen darauf gepflanzt und an Weihnachten haben wir dir ein Bäumchen hingestellt und ein rotes Licht, damit du es nicht so dunkel hattest. Aber das hast du bestimmt von deiner Wolke aus schon gesehen.
Wir denken so oft an dich.
Gestern sind wir wieder mal am Doggengehege vorbeigekommen, wärst du da gewesen hätten die unsere Kleine nicht so angebellt. Du hättest ihnen gezeigt, was Sache ist. Genauso wie Carlos, wenn er Assi mal wieder den Stock klauen wollte oder meinte die Rangordnung neu klären zu müssen.
Es gibt täglich 1000 Situationen, in denen du fehlst. Aber wir lernen mit der Zeit damit fertig zu werden. Es ist nicht einfach, doch wir wissen ja, dass wir uns irgendwann wiedersehen. Bis dahin bist du immer bei uns, tief und fest in Gedanken.
Wir haben dich lieb!
Deine Katrin, Frauchen Angelika, Herrchen Ulli und das Baby Assi